Wir trauern um Renate Hof, die am 17.05.2026 gestorben ist.

Dass die Kategorie Geschlecht in der deutschen Amerikanistik heute ganz selbstverständlich eine zentrale Rolle spielt, ist nicht zuletzt ihr Verdienst. Renate Hof war Mitbegründerin des Women’s Caucus in der DGfA, Beiratsangehörige von 1984 bis 1992, und Mitherausgeberin der Zeitschrift Amerikastudien/American Studies. An der Humboldt-Universität zu Berlin, wo sie von 1993 bis 2003 forschte und lehrte, war sie einerseits die treibende Kraft dabei, Geschlechterstudien in der Amerikanistik fest zu verankern, und arbeitete gleichzeitig an der Etablierung des ersten transdisziplinären Gender Studies-Studiengangs in Deutschland mit. Am Graduiertenkolleg “Geschlecht als Wissenskategorie” war sie als externe Betreuerin engagiert.

Renate Hof studierte englische und amerikanische Literatur, deutsche Literatur und Linguistik an der LMU München, wo sie 1982 mit einer Arbeit zu unzuverlässigem Erzählen bei Nabokov promovierte. Anschließend arbeitete sie dort als Wissenschaftliche Assistentin. In diese Zeit fiel ein wichtiger Forschungsaufenthalt am Smith College in Massachusetts. Ihre bahnbrechende Studie Die Grammatik der Geschlechter, in der sie die Bedeutung von Geschlecht für grundlegende Fragen der Literatur- und Kulturwissenschaft herausarbeitete, stieß auch international auf großes Interesse. Ihre Handbücher und Handbuchartikel – Feministische Literaturwissenschaft: Methoden, Kontroversen und Perspektiven; Genus: Zur Geschlechterdifferenz in den Kulturwissenschaften (mit Hadumod Bußmann); Metzler Autorinnen Lexikon (mit Ute Hechtfischer, Inge Stephan und Flora Veit-Wild) und “Von Women’s Studies zu Gender Studies” in Geschichte der amerikanischen Literatur, hg. von Hubert Zapf – erweiterten den Horizont ganzer Generationen von Wissenschaftler*innen im Hinblick auf die Bedeutung von Geschlechterfragen in Forschung und Lehre. Ihre DFG-geförderte Forschung zu “Gender und Genre”, die in dem Band Inszenierte Erfahrung. Gender and Genre in Tagebuch, Autobiographie, Essay (herausgegeben. mit Susanne Rohr) kulminierte, eröffnete neue, spannende Perspektiven insbesondere auf life writing und das Genre des Essays. Immer auf der Suche nach intellektueller Anregung und offen für neue theoretische Ansätze, blieb sie der Wissenschaft auch im Ruhestand treu.

Als außerordentlich warmherzige und zugewandte Person betrieb sie Vernetzung nicht nur auf einer rein fachlichen Ebene – die Einladungen zu ihr nach Hause waren legendär. Ob Amerikanistik-Abteilung, Kolleginnen aus dem Institut oder den Gender Studies – wer in ihren Genuss kam, hatte Aussicht auf wunderbare Abende in stilvollem Ambiente, oft auf der Dachterrasse, und Essen vom Feinsten. Dabei gab es intensive Gespräche über fachliche und private Themen.

Zusammen mit Günter Lenz stellte sie an der Humboldt-Amerikanistik Teamwork über universitäre Hierarchien und schuf so ein ausgesprochen produktives Arbeitsklima. Auch bei Kontroversen blieb sie gelassen und verlor nur selten ihre gute Laune.

Was sie außerdem auszeichnete, war die Förderung und Unterstützung von Nachwuchswissenschaftler*innen, die sich nicht auf ihre Promovierenden und Habilitierenden beschränkte. Für viele jüngere Wissenschaftlerinnen war sie auch deshalb ein Vorbild, weil sie zeigte, dass Mutterschaft und wissenschaftliche Karriere miteinander vereinbar waren.

Es ist schwer zu überschätzen, wieviel wir Renate fachlich und menschlich zu verdanken haben. Sie wird uns sehr fehlen.

Abteilung Amerikanistik der Humboldt-Universität zu Berlin